Erinnerungen an Weihnachten 1938

Je älter man wird, desto mehr ist man mit der Entwicklung auf unserer schönen Erde unzufrieden. Wie ist z.B. das Weihnachtsfest inhaltsleer geworden. Kaum noch ein Kind kennt noch den Anlaß des Festes. Alle sind wie hypnotisiert und starren auf die Auslagen in den Schaufenstern und füllen die Wunschzettel mit großen Erwartungen aus. Da wird’s manchen Eltern angst und bange.

Da lobe ich mir die alte Zeit, wo wir vom Hinsehen schon satt und zufrieden wurden und der Werbung nicht bedurften. Wir kannten es nicht anders. Große Wünsche gingen sowieso nicht in Erfüllung.

Die ersten und letzten Weihnachtseinkäufe für uns Jungen tätigte unsere gute Mutter erst am Heiligen Abend bei März. Zu dieser Zeit dämmerte es bereits und die ersten Kappeläner machten sich für den Kirchgang fertig.

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Reise nach Zypern und Aufenthalt in Nikosia

Die Zeit ging dahin. Das „Lotterleben“ in Waldkappel machte auf  Dauer keinen Spaß mehr.   Allmählich keimte  in mir der Wunsch, mich selbstständig zu machen, auf eigenen Füßen zu stehen um nicht immer nach der Pfeife anderer tanzen zu müssen. Schließlich war ich mir meines beruflichen Könnens bewußt und es dämmerte mir so langsam, daß man als Arbeitnehmer kein großes Geld machen kann. Dazu kam, daß es überall  wirtschaftlich bergauf ging und auch die kleinen Geschäftsleute  gutes Geld verdientenSo auch bei Hartungs in Waldkappel. Moderne Maschinen wurden angeschafft und Herr Riebel von der  Firma Riebel und Lehmann wußten Vater und Bruder Werner  davon zu überzeugen,  daß auch ein neuer Backofen fällig sei. Es dauerte nicht lange und der Auftrag wurde erteilt. Die Firma Oberle, die bei den Bäckern  einen guten Ruf genoss, lieferte den noch mit Kohle zu befeuernden Ofen in Einzelteilen, die an Ort und Stelle zusammengesetzt wurden. Für mich, der sich für  technische Dinge immer interessierte, war es eine Freude, dem Monteur (Herrn Kammerer) beim Arbeiten zuzuschauen. Er hatte mich gleich in sein Herz geschlossen, aber auch ich hegte freundschaftliche Gefühle für ihn.  Er schaute mir öfters bei meiner Arbeit zu und empfahl  mir, meine guten Fachkenntnisse in einem größeren Bäckereibetrieb einmal vorzuführen. Die gegenseitige Symphatie gedieh so weit, daß wir sogar einige Male  gemeinsam  ausgegingen und uns auch viel privat unterhielten. Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir beide z.B. auf der Hoheneicher Kirmes ordentlich einen drauf gemacht haben.

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Ausbildung bei Firma Helferich in Kassel

In 1949 heiratete Mühlenbesitzer Eduard Saakel von Bischhausen und die Feier war in Waldkappel bei Tierarzt Dr.Berge, denn dessen Frau war ja die Schwester von Edi Saakel. Unter den wenigen Gästen befand sich unser Vater und auch Herr Cornelius Helferich aus Kassel mit seiner Freundin Frau Müller, die Geschäftsleiterin von Woolworth in der Oberen Königsstraße. Im Rahmen einer Unterhaltung ist Vater mit Herrn Helferich übereingekommen, daß ich in seinem Betrieb (im Knusperhäuschen)  als Praktikant anfangen durfte. Das war für mich ein harter Anfang. Aber Konditormeister Walter Bock, der als Meister bei Helferich im Betrieb arbeitete,  war ein guter Mensch und durch seine Hilfe bin ich eine kurze Zeit später als Konditorlehrling eingestellt worden. Ich habe viel von Herrn Bock gelernt und war ihm immer sehr dankbar dafür.

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Abschied von der Kindheit und Lehrzeit des Walter Hartung in Eschwege und Kassel

Es wäre schade, wenn die Erinnerungen an die Kindheit und die Erlebnisse nach Beendigung der Schulzeit nicht schriftlich festgehalten würden. Alle Ereignisse und Erfahrungen der Jugendzeit würden im Meer des Vergessens versinken.

Ich hatte ein schönes Zuhause, hatte immer genug zu essen und mußte auch nicht frieren. Wenn wir allerdings nicht rechtzeitig die Klibber auch dem Holzschuppen geholt und in die Holzkiste neben dem Herd  gefüllt hatten, konnte es schon einmal passieren, daß unsere Mutter aus Erziehungsgründen (!?) das Feuer im Herd ausgehen ließ und wir im Kalten saßen.

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Die Festwoche in der Bäckerei Hartung

„Meh honn de Fesdworre“ Dieser Ausspruch vom Senior der Familie wirkte auf alle Mitglieder – auch auf uns Kinder – elektrisierend. Festwoche wurde grundsätzlich jede Woche vor den großen kirchlichen Feiertagen, aber auch vor den Ereignissen, wie Heimat- und Waldfest oder Kirmes, genannt. Sie bedeutete für alle besondere Aktivität an den Tag zu legen, pünktlich aus den Federn zu steigen und zumindest so zu tun, daß man den Eindruck hatte, ausschließlich nur die Festwoche im Kopf zu haben. Der alte Herr konnte ganz schön grantig werden, wenn nicht alles so lief, wie es ihm vorschwebte.

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Sommervergnügen der Waldkappeler Jungen

Sommerferien in Waldkappel

Je älter man wird, desto öfter erinnert man sich der so fern liegenden Kindheitserlebnisse, die sich fest eingeprägt haben. Man war unbeschwert und hatte das Leben noch vor sich. Unsere kleine Welt war neu und heil. So auch die kirchlichen Feste, die uns sehr beeindruckten und auch wegen des leckeren Essens hoch willkommen waren. Das größte Ereignis im Jahre waren aber die Schulferien. Endlich war man frei von (fast) allen Zwängen und konnte tun und lassen was man wollte.

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Bist du ein Christ?

Konfirmandenprüfung

Die Prüfung der Konfirmanden war noch bis in die 60er Jahre am Freitag vor der Konfirmation in der vollbesetzten Kirche in Waldkappel. Geprüft wurde entweder nach dem Kleinen Katechismus Martin Luthers, oder (im 20.Jh. seltener) nach dem Hessischen Katechismus der niederhessisch-reformierten Tradition. Mit letzterem verbindet sich die gern erzählte Prüfungsanekdote:

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Wasserversorgung in Waldkappel (um 1821-1908)

Stadtplan von Waldkappel von 1802

Vor einiger Zeit fiel mir ein altersschwaches graublaues Heftchen in die Hände. In diesem alten Büchlein ist anfangs des Jahrhunderts in schönstem Amtsdeutsch festgehalten worden, in welcher Weise die neue Wasserleitung der Stadt Waldkappel „benutzt“ werden darf und was für die Wasserentnahme in Mark und Pfennig zu „entrichten“ ist. Sogar Strafbestimmungen enthält das vom Magistratsrat Pitz unterschriebene „Ortsgesetz“. Dieses Heft regte mich dazu an, einmal Nachforschungen darüber anzustellen, wie es wohl vor dem Bau der Städtischen Wasserleitung (1908) mit der Trinkwasserversorgung ausgesehen haben mag..

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Wintervergnügen der Waldkappeler Kinder vor dem Kriege

Immer wieder steigen Erinnerungsbilder  aus Kindheitstagen empor, die es wert sind, festgehalten zu werden. Vieles ist im Denkgehäuse gespeichert und  nicht auf  Nimmerwiedersehn verschwunden. Das Gegenteil ist der Fall. Sogar ganz belanglose Dinge werden wieder gegenwärtig. Je älter man wird, um so deutlicher treten die Bilder aus früheren Zeiten hervor.  Man meint  z.B. wieder die geölten Fußböden der Klassenzimmer zu riechen und die Schläge der Kirchturmuhr, die das Ende einer verhaßten Schulstunde verkündeten, zu hören. 

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